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Diese Webpräsenz des Datenschutzbeauftragten der Evangelischen Landeskirche Württemberg ist im Oktober 2011 umgezogen.



Die neue Webpräsenz finden Sie unter http://www.kirche-datenschutz.de



Strategiepapier EDV in Pfarrämtern

Vorschlag zur Gestaltung der EDV auf Pfarrämtern



Ein Strategiepapier

des

Landeskirchlichen Datenschutzbeauftragten



Vorbemerkung

Dieses Strategiepapier basiert auf der Nutzung von Möglichkeiten, die der Stand der Informations- und Kommunikationstechnik bietet. Das darin entwickelte EDV-Konzept hat zwar zunächst die landeskirchlichen Pfarrämter im Auge, kann aber ohne größere Änderungen auch auf andere Bereiche, wie Dekanatämter, Prälaturen, Verwaltungsstellen etc. übertragen werden.

Nachfolgend werden die Bestandteile des Konzeptes erläutert:


Breitbandzugänge

Dieses Strategiepapier setzt darauf, dass kostengünstige schnelle Internetzugänge (Breitbandzugänge, DSL), wie sie in mittlerweile knapp 40 % der bundesdeutschen Haushalte zum Einsatz kommen, genutzt werden. Mit solchen Anschlüssen kann auch kostengünstig über das Internet telefoniert werden, so dass sich in vielen Fällen deren Nutzung allein schon aus diesem Grund anbietet.

Die Bundesregierung erwartet, dass bis zum Jahr 2008 für 98 Prozent aller deutschen Haushalte ein breitbandiger Internetzugang auf Basis von Festnetz-, Kabelnetz- oder funkbasierten Anschlüssen vorhanden ist. Der aktuelle Deckungsgrad dürfte bei 95 Prozent liegen.


Thin Clients

Die Nutzung solcher Breitbandzugänge ermöglicht, dass auf den Pfarrämtern sog. Thin Clients eingesetzt werden. Solche Thin Clients gibt es sowohl in Form kleiner Tischgeräte, an die Tastatur, Computermaus und Bildschirm angeschlossen werden, als auch in Form mobiler Notebooks. Thin Clients sind keine Alleskönner mehr, sondern hinsichtlich Hard- und Software in bestimmter Weise spezialisiert.

Die Anschaffung solcher Geräte verursacht Anschaffungskosten. Hier ist zum einen festzustellen, dass diese deutlich geringer sind als die Kosten für einen herkömmlichen PC. Zudem verbrauchen Thin Client Geräte erheblich weniger Strom1. Bei Pfarrämtern, die noch herkömmlichen PC mit Röhrenmonitoren einsetzen, ist zu erwarten, dass sich ein Austausch gegen einen mobilen Thin Client innerhalb von 4 bis 5 Jahren alleine durch die eingesparten Stromkosten amortisiert. Weitere Kostenersparungen entstehen dadurch, dass Thin Clients ausgesprochen langlebige Geräte sind, da sie keine beweglichen Teile wie Festplatten und Lüfter enthalten. Dies wiederum führt zu reduzierten Wartungs- und Instandhaltungskosten.

Thin Clients verringern nicht nur die Hardware- und Betriebskosten, sondern haben einen auch erheblich günstigeren Lärmpegel vorzuweisen. Arbeitswissenschaftliche Studien belegen den Zusammenhang zwischen Aufrechterhaltung längerer Konzentrationsphasen und Geräuschpegel. Auf den geringeren Platzbedarf am Arbeitsplatz sei nur ergänzend hingewiesen.


Konzentration auf definierte Palette an Anwendungen

Thin Clients werden mit vorkonfektionierten Anwendungen ausgeliefert. Anwender haben nicht mehr die Möglichkeit, Programme selbst zu installieren und einzurichten, sondern finden eine bestimmte Palette an Anwendungen zur Erledigung ihrer Arbeiten vor. Es kommt dann sehr darauf an, dass dieses Angebot an Anwendungen qualitativ überzeugt und keine berechtigten Wünsche offen lässt.

Dass eine solche Einschränkung auf eine bestimmte Palette an Anwendungen sachgerecht und sinnvoll ist, wird im Bereich der Wirtschaft und der Verwaltung immer deutlicher. Studien zeigen, dass ganz allgemein der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nur eine begrenzte Anzahl von Anwendungen benötigen, meist über 90% liegt. Höchstens 9%, in aller Regel deutlich weniger, benötigen tatsächlich die Möglichkeit, Anwendungen selbst einzurichten, nur 1% und weniger brauchen darüber hinausgehende Möglichkeiten und Freiheiten.

In diesem „Abklemmen“ der Möglichkeit, selbst Anwendungen installieren zu können, liegt ein erhebliches Sparpotential. Studien veranschlagen die Kosten für „fette“ PC auf deutlich über 5000 Euro im Jahr, wobei etwa 50% auf den Support und etwa 40% auf etwas entfallen, was sehr freundlich mit „aufgabenferne Benutzertätigkeiten“ umschrieben wird. Beim Einsatz mobiler „fetter“ Endgeräte verdoppeln sich die genannten Zahlen.

Diese Zahlen deuten, positiv gewendet, das Sparpotential an oder, negativ gewendet, die zurzeit praktizierte Verschwendung an Zeit und Ressourcen.

Will man Sicherheitsrisiken verringern, den Anwendern die Nutzung der EDV erleichtern und dabei Kosten sparen, führt kein Weg daran vorbei, mit bestimmten Paletten an Anwendungen auf damit fest vorkonfigurierten Geräten, eben Thin Clients, zu arbeiten.


Umsetzungsstrategie

Die Art der Durchführung der Umstellung auf Thin Clients dürfte maßgeblich darüber entscheiden, inwieweit diese gelingt.

Wenig Erfolgsaussichten dürfte es haben, die Umstellung per ordere mufti durchsetzen zu wollen, vielmehr muss die Durchsetzung durch Überzeugung erfolgen. Dies könnte so erfolgen, dass sich als Auftakt eine sorgfältig ausgewählte Gruppe von höchstens 10 EDV-kundigen Personen in bestimmter Weise konfigurierte Thin Clients beschafft und ausprobiert. Dieser Expertengruppe könnten durchaus auch interessierte Personen anderer Landeskirchen angehören. Diese Test-, Anpassungs- und Verbesserungsphase ist dann beendet, wenn diese initiierende Expertengruppe meint, eine überzeugende Lösung gefunden zu haben.

Im folgenden Schritt erweitert (z. B. verdreifacht) man diesen Personenkreis um weitere EDV-kundigen Personen (Internetbeauftragte der Landeskirche, kirchenbezirkliche Datenschutzbeauftragte, interessierte Pfarrerinnen und Pfarrer) und führt diese Testphase solange weiter, bis auch in dieser Gruppe alle Fragen und Ansprüche hinreichend abgeklärt sind.

Im dritten Schritt wird diese Gruppe wiederum auf das Doppelte oder Dreifache ausgeweitet, in dem ihre Mitglieder weitere Pfarrerinnen und Pfarrer vorschlagen, denen zugetraut wird, am Erkennung und Beheben von immer noch bestehenden Bedürfnissen und Mängel konstruktiv mitzuwirken. Erst wenn auch hier Zufriedenheit herrscht, beginnt die Phase einer offensiven Bewerbung der Pfarrerschaft, solchermaßen ausgetestete Thin Clients einzusetzen.

Die benötigten Mittel sind deshalb am Anfang gering, die zu leistende konzeptionelle Arbeit hoch. Die Aufwendung größerer Geldbeträge zur Beschaffung von Thin Clients erfolgt immer nur in dem Maße, wie es bereits zufriedene Anwender gibt. Es muss aber, im Hinblick darauf, dass in späteren Phasen zunehmend größere Geldbeträge erforderlich sind, entschieden werden, ob man diesen Weg gehen will. Da die neu angeschafften Geräte in der Regel alte Geräte ersetzen welche über kurz oder lang ebenfalls durch neue teurere Geräte ersetzt worden wären liegt auch bereits in der Testphase ein Einsparpotential.

Bei einer wachsenden Gruppe zufriedener und kostengünstig arbeitender Thin-Client-Anwender geraten alle, die weiterhin ihre fetten Desktop-PC verwenden oder an ihren Geräten Zeiten mit aufgabenfernen Benutzertätigkeiten verbringen wollen, unter einen zunehmenden Rechtfertigungsdruck; mehr bedarf es nicht, um ein ausgereiftes Konzept auf der Basis von Thin Clients durchzusetzen.

Thin Clients haftet nichts Stellenbezogenes an. Konfiguration, Vertrieb, Administration, Wartung und Service sind massenhafte und routineartige Angelegenheiten, die weitgehend automatisiert und rationalisiert durchgeführt werden. Es ist deshalb in aller Regel kostengünstiger (und wohl auch üblich), dies den Herstellerfirmen zu überlassen. Eine Stellenausweitung im IT-Referat des Oberkirchenrats ist für die Verteilung und Wartung dieser Geräte nicht erforderlich.


Psychologische Aspekte

Die Psychologie spielt beim Einsatz von Thin Clients eine ernstzunehmende Rolle. Zwar bringen sie eine weitgehende Entlastung der Anwender von allem, was über die reine Nutzung ihrer Anwendungen hinausgeht, genau dies wird aber keineswegs immer als positiv empfunden. Der Austausch eines PCs durch ein kleines unauffälliges und geräuschloses Gerät kann einen ernüchternden Effekt haben.

Einen Computer an seinem Arbeitsplatz zu haben wird häufig als Zeichen der Wichtigkeit der geleisteten Arbeit und der Bedeutung der eigenen Person empfunden. Ein Gerät, das augenscheinlich macht, dass es sich lediglich um ein gängiges Arbeitsmittel handelt und einen Aufforderungscharakter zur effizienten Erledigung anfallender Bildschirmarbeit mitbringt, kann dann auch Ablehnung hervorrufen. Eine Rolle spielen könnte auch, dass eine weite Verbreitung mobiler Thin Clients Irritationen bei den Personen hervorrufen kann, die „ihren“ Notebook als besonderes Statussymbol empfunden haben.

Da diese und ähnliche Motive nicht ins Bewusstsein gelangen geschweige denn ausgesprochen werden, werden sie rationalisiert. Eine Argumentation ist dann sinnlos. Auch deshalb sollte die Umsetzung nach der oben erläuterten Strategie erfolgen, da dann nicht argumentiert werden muss, sondern auf einen wachsenden Kreis zufriedener Anwender verwiesen werden kann.

Deshalb sollten in den ersten Phasen der Umsetzung auch Personen einbezogen werden, die bereits jetzt vor Ort in EDV-Angelegenheiten tätig sind und ihre Pappenheimer kennen, z. B. Internetbeauftragte, kirchenbezirkliche Datenschutzbeauftragte oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Wartungsaufgaben im IT-Referat des Oberkirchenrats.


Ermittlung der geeigneten Gerätekonfiguration

Die Thin Clients sind, was den Arbeitsspeicher anbelangt, schon lange nicht mehr zwangsläufig thin. Die Palette reicht von wirklich dünnen Geräten, die nichts weiter mitbringen als die Fähigkeit, über das Netzwerk ihr Betriebssystem zu laden bis zu solchen, die mit einer breiten Palette vorinstallierter Standardanwendungen ausgeliefert werden.

Herauszufinden, welche Mischung an vorinstallierten Thin-Client-Anwendungen und an serverseitigen Angeboten für den Bereich der Pfarrerschaft am besten geeignet ist, wäre Aufgabe der bei der Umsetzungsstrategie erwähnten initiierenden Expertengruppe. Für bestimmte Anwendungen ist auch denkbar, dass beide Möglichkeiten eröffnet werden.

Bei der Gerätekonfiguration ist auch der interne Vernetzungsbedarf des Pfarramtes, etwa zwischen Pfarrerin bzw. Pfarrer und Sekretärin, zu bedenken. Auch hier gilt es, bei der lokalen Vernetzung die Komplexität und die dadurch verursachten Umstände und Aufwendungen so weit wie möglich zu reduzieren (allein dies trägt schon zu einer Erhöhung der Sicherheit bei). Bei einem zur Verfügung stehenden Breitbandanschluss genügt es, wenn auf dem Pfarramt jeder EDV-Arbeitsplatz an den entsprechenden Router über Kabel oder Funk angeschlossen werden kann.

Wird von der lokalen Vernetzung nicht mehr verlangt, als dass die angeschlossenen Thin Clients einen Internetzugang haben, genügt es, die eingesetzten Router zentral und kompetent zu administrieren, um ein hinreichendes Sicherheitsniveau zu gewährleisten. Diese schlichte, sich auf das wesentliche beschränkende Art einer lokalen Vernetzung spart weitere Kosten und Aufwand.

Da es sich dabei um ein schlichtes Stück häuslicher Infrastruktur handelt, wäre in organisatorischer Hinsicht sogar zu überlegen, ob die Bereitstellung einer Anschlussmöglichkeit in den Büroräumen und das Abschließen der erforderlichen Providerverträge sowie die Administration der benötigten Router nicht eine Sache ist, die beim zentralen Gebäudemanagement angesiedelt sein sollte.

Unter solchen Voraussetzungen können Pfarrerin bzw. Pfarrer und Sekretärin Daten über einen „gemeinsamen Datencontainer“ auf einem Server im Internet oder, was in vielen Fällen einfacher und ausreichend ist, als E-Mail-Anhänge austauschen.

Damit sind auf den Pfarrämtern ähnliche Verhältnisse gegeben wie bei einem Arbeitsplatz im OKR-Netzwerk.


Offlinenutzung

Auch wenn es in vielerlei Hinsicht immer vorteilhafter wird, im Netz zu arbeiten, muss eine zufrieden stellende Offlinenutzung weiterhin möglich sein. Denkbar wäre etwa die Situation, dass Pfarrerinnen oder Pfarrer mit dem Thin-Client-Notebook eine Predigt schreiben wollen und gerade kein Breitbandanschluss vorhanden ist. Da für die Thin Clients die Möglichkeit einer Datenspeicherung über das Abschalten hinaus gerade nicht vorgesehen ist, bedarf es dafür eines externen Mediums, typischerweise eines USB-Sticks. Bereits jetzt ist es möglich, Browser, Software zur Bürokommunikation und weitere Anwendungen auf einem USB-Stick zu betreiben und den Arbeitsplatzrechner lediglich als Wirt zu benutzen, um eine Tastatur und einen Bildschirm zur Interaktion zu haben (der USB-Stick als Büro in der Westentasche).

Die Zahl der Anwendung, die sich von einem USB-Stick aus betreiben lassen, nimmt ständig zu. Es kommen auch zunehmend Entwicklungswerkzeuge auf den Markt, mit denen bestehende Anwendungen portabel gemacht werden können.

Damit ist eine preiswerte und einfache Möglichkeit gegeben, den verbleibenden Bedarf Offlinenutzung, der über die auf den Thin Clients vorinstallierten Anwendungen hinausgeht, zu decken. Achtet man darauf, dass nur USB-Sticks zum Einsatz kommen, die die gespeicherten Daten verschlüsselt vorhalten (z. B. U3-Sticks), ist diese Art der Offlinenutzung auch unter Sicherheitsgesichtspunkten vertretbar.

Verbindet man die Offlinenutzung mit einer automatischen Datensicherung beim nächsten Online-Betrieb, ist auch der Forderung nach einer Datensicherung Genüge getan und die Anforderungen an den Datenschutz können erfüllt werden.

Man hat damit drei Möglichkeiten, Anwendungen zu lokalisieren: auf dem Server, fest vorkonfiguriert auf dem Thin Client und mit größeren Freiheitsgraden auf dem USB-Stick (als Büro für die Westentasche), letzterer auch in der Funktion als Datenspeicher für den Offlinebetrieb.

Die Hauptaufgabe der unter dem Abschnitt Umsetzung erwähnten initiierenden Kerngruppe besteht somit darin, für den Bereich der Pfarrerschaft die optimale Verteilung von Anwendungen in der Trias Server, Thin Client und USB-Stick auszuloten.

Ein dafür gefundenes Optimum dürfte sich als eine sehr stabile langfristige Ebene erweisen und für die Landeskirche mit ihrer Struktur einer großflächigen Verteilung vieler mittlerer und kleinerer Stellen die kostengünstigste Möglichkeit darstellen, Informationstechnologie zu nutzen. Auf absehbare Zeit ist auch keine weitere Umstellung auf eine dann nunmehr noch bessere Technologie nicht zu erwarten, auch wenn die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Geräte natürlich zunehmen wird.


Serverseitige Angebote

Die serverseitigen Möglichkeiten, Anwendungen bereitzustellen, sind mittlerweile erheblich. Beispielhaft sei auf die kostenlosen webbasierten Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogramme der Suchmaschine Google hingewiesen, die vielen Anwendern ausreichen würden, Textdokumente zu erstellen oder Tabellenberechnungen auszuführen (aus Datenschutzgründen wären solche webbasierten Anwendung natürlich auf eigenen oder gemieteten Servern zu betreiben und nicht bei einem Suchmaschinenbetreiber). Die meisten Anwender benötigen den riesigen Funktionsumfang der gängigen Office-Anwendungen überhaupt nicht. Würde nur das wirklich Benötigte bereitgestellt, fänden sich die Anwender besser zurecht und es könnte mit überschaubarem Aufwand mehr Datensicherheit umgesetzt werden und es besteht ein erhebliche Möglichkeit der Kosteneinsparung.

Werden weitergehenden Funktionalitäten benötigt, können aber auch Office-Anwendungen über Terminal-Server2 angeboten werden. Die Zahl der Clients, die ein solcher Terminalserver bedienen kann, hat sich in den letzten Jahren stark erhöht.

Es ist auch keineswegs notwendig, dass immer das Referat IT des Oberkirchenrats serverseitig als Anbieter auftritt. Auf Kirchenbezirksebene interessant könnte beispielsweise ein von einem führenden Provider sehr preisgünstig angebotenes Outlook für Gruppen bis zu 100 Personen sein, über die die gesamte kirchenbezirksinterne Kommunikation (E-Mail, Kalender, Termine, Kontakte, Dokumentverwaltung usw.) laufen könnte. Die Anwender würden die gleichen Verhältnisse vorfinden wie auch beim Oberkirchenrat. Auch das Ablegen von Dokumenten ist im Rahmen einer solchen Lösung möglich. Die EDV des Oberkirchenrats könnte so sogar eine Entlastung erfahren3.

Der Einsatz von Thin Clients und das vermehrte Erledigen von Arbeiten auf zentralen Servern heißt nicht, dass dort zwangsläufig erhebliche zusätzliche Aufwendungen entstehen.

Dies wird besonders bei den Meldedaten deutlich. Bei diesen wird mit einigem Aufwand ein eigens dafür entwickeltes Programm (mit interner Datenverschlüsselung) vor Ort installiert und gewartet. Dies ist auch notwendig, weil eine Nutzung der Meldewesendaten mittels Internet voraussetzen würde, dass hinreichend sichere EDV-Geräte für den Zugang zum zentralen Meldewesenserver eingesetzt werden. Diese Voraussetzung ist aber bei den Pfarrämtern gerade nicht gegeben (weshalb auch dieses Strategiepapier erstellt wurde). Ganz allgemein besteht bei zentralen Verfahren das Problem, dass schwer festzustellen ist, wer mit welchen Geräten zugreift. Daraus resultiert ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Ein Zugriff mittels Thin Clients liese sich jedoch hinreichend sicher gestalten.

Was, ausschließlich oder parallel, serverseitig angeboten wird, steht in engem Zusammenhang damit, was auf den Thin-Clients vorinstalliert wird bzw. in welchem Umfang USB-Sticks als Träger von Anwendungen dienen sollen. Es ist Aufgabe der oben erwähnten initiierenden Expertengruppe, Prototypen zu entwerfen und damit erste Erfahrungen zu sammeln, um die effizienteste Verteilung zu finden.

Um die serverseitigen Aspekte auszuprobieren, ohne den laufenden Betrieb zu belasten, könnte in der Testphase zu geringen Kosten ein virtueller Server gemietet werden, wenn dies notwendig werden sollte.


Privatsphäre

Ein Arbeiten im Internet, d. h. auf Servern der Landeskirche oder im Zugriff der Landeskirche, wirft die Frage auf, wer Einblick in die dabei anfallenden dienstlichen Daten nehmen kann.

Bei der Arbeit in einem Netzwerk besteht das grundsätzliche Problem, dass es die mehr oder weniger große Gruppe der Administratoren gibt, die technisch in der Lage wäre, Einblick in alle Dateien ihres Zuständigkeitsbereiches zu nehmen. Diese Situation besteht beispielsweise auch für die Mitarbeiterschaft des Oberkirchenrats bei ihrer Computernutzung. Es ist Sache des Dienst- und Arbeitsrechts und des Datenschutzes zu verhindern, dass diese Möglichkeiten missbraucht werden. Dabei ist zu bedenken, dass es sich um dienstliche Daten des Dienstgebers handelt und dieser grundsätzlich in der Lage sein muss, Einblick in seine dienstlichen Unterlagen nehmen zu können. Insoweit ist der Umstand, dass es die Gruppe der Administratoren gibt, die im konkreten Bedarfsfall auch gegen den Willen des Dienstnehmers der Stellenleitung Daten zugänglich machen kann, sinnvoll und vertretbar.

Der Pfarrerschaft wird man aber ggf. Datenspeicherungen ermöglichen wollen, wo sich die Pfarrerinnen und Pfarrer darauf verlassen können, dass außer ihnen niemand Einblick nehmen kann. Da die auf allen Thin Clients einheitlich installierte Software nur herstellerseitig geändert werden kann und die bestehende Konfiguration sich stichprobenartig kontrollieren lässt, ist eine verlässliche Plattform gegeben, von der aus verschlüsselte Netzwerklaufwerke oder verschlüsselte Bereiche angeschlossener USB-Sticks betrieben werden können. Allerdings sind verschlüsselte Daten verloren, wenn das Kennwort vergessen wird, es sei denn, die Pfarrerin oder der Pfarrer stimmt zu, dass unter Hinzuziehung eines vertrauenswürdigen Dritten die Möglichkeit eines Datenrecoverys eingerichtet wird.

Eine genauere Analyse des Sachverhalts zeigt, dass die Verlässlichkeit, mit der die Pfarrerschaft davon ausgehen kann, dass außer ihnen niemand Einblick in die verschlüsselten Daten nehmen kann, bei der Verwendung von Thin Clients wesentlich höher ist als bei der Verwendung normaler PCs, insbesondere wenn diese in ein Netzwerk integriert sind.


Schlussbemerkung

Die oben dargelegte Konzeption ist ein Beispiel dafür, dass intelligenter technischer Datenschutz Kosten spart. Beim Umgang mit den personenbezogenen Daten sind die Grundsätze der Datensparsamkeit und Datenvermeidung (§ 2 a DSG-EKD) mehr zu beachten und umsetzen, außerdem ergeben sich auf der organisatorischen Ebene weitere Kosteneinsparungsmöglichkeiten. Die positiven ökologischen Aspekte durch die Nutzung Strom sparender Geräte sollten nicht gering geschätzt werden. Von industriefernen Institutionen, die es in Sachen Umweltschutz relativ einfach haben, kann mit einiger Berechtigung erwartet werden, dass sie dort, wo auch sie auf vernünftige Weise CO2-Emissionen einsparen können, beispielgebend vorangehen.

Angemerkt sei auch, dass der gemachte Vorschlag eine leistungsfähige Infrastruktur dafür schafft, die Pfarrerschaft bei der Erledigung ihrer Aufgaben so gut es geht in jedem Fall jedoch besser zu unterstützen. Pfarrerinnen und Pfarrer können sich auch effektiv gegenseitig weiterhelfen, weil sie nun die gleichen Hard- und Softwarevoraussetzungen haben. Der breitbandige Internetzugang kann auch sehr gut dazu genutzt werden, der Pfarrerschaft aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sie hat und was sich wie mit möglichst wenig Aufwand erledigen lässt, indem z. B. eine eLearning-Plattform etabliert wird mit kleinen Lerneinheiten zu Nützlichkeiten im Alltagsgeschäft.

Die Illusion, dass das Bereitstellen EDV-technischer Möglichkeiten von selbst dazu führt, dass diese auch genutzt werden, hält sich leider mit einer gewissen Hartnäckigkeit.

Es ist offensichtlich, dass sich die hier gemachten Überlegungen nicht auf den Bereich der Pfarrämter beschränken, sondern sich mit den entsprechenden Anpassungen auf andere Bereiche portieren lassen. Selbst beim Oberkirchenrat stellt sich angesichts des damit verbundenen administrativen Aufwands die Frage, inwieweit man noch „fette“ Desktops und nicht Thin Clients einsetzt4.

Stuttgart, den 15. März 2007
Überarbeitet am 27. März 2007
Dr. Axel Gutenkunst



1Ein solcher Austausch ist deshalb auch unter Umweltschutzgesichtspunkten, insbesondere wegen der aktuell diskutierten CO2 Belastung angebracht, weshalb der Umweltbeauftragte der Landeskirche eine Kopie dieses Vorschlags erhält.

2Solche Server sind beim Oberkirchenrat für den Zugang zu Navision-K bereits im Einsatz und stellen auch schon Office-Anwendungen bereit.

3Es ist nicht der Zweck dieses Papiers, eine serverseitige Kosten-Nutzen-Betrachtung anzustellen. Es sei aber darauf hingewiesen, dass in weiten Bereichen der Landeskirche bestehende Möglichkeiten ungenutzt bleiben, weil das Wissen dazu fehlt. Es werden dann anwenderseitig andere, umständlichere Wege gegangen, um zu den gewünschten Ergebnissen zu kommen. Es ist sinnvoller und nutzbringender, dass serverseitige EDV-Know-how so weit es geht in ein landeskirchenweites Wissensmanagement zu investieren als in die Bereitstellung und Wartung von EDV-Technik und EDV-Geräten.

4Die immer länger werdenden Zeiten, bei denen der Arbeitsplatz-PC durch automatisch ablaufende Installationen von Updates blockiert ist, sind ein erster Hinweis.