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Was ist das Internet

Drei Männer und ein Baby

Basteln in der Einsamkeit

Weihnachten 1990. Tim Berners-Lee und Robert Cailliau schalten ihre NeXT-Computer an und nehmen ein hausinternes Telefonbuch in Betrieb. Die beiden ahnen nicht, dass sie eben die Basis für ein neues, globales Massenmedium legen. Die Folgen sind gewaltig, ein boomender Wirtschaftszweig entsteht, aus Studenten werden im Handumdrehen Millionäre, die Politik beginnt sich zu verändern, ein neues Zeitalter beginnt. Denn die beiden Männer haben mit ihrem Telefonbuch soeben das Wold Wide Web (WWW) erfunden.

Heute werden WWW als Synonyme verwendet oder miteinander verwechselt. Dabei trennen die beiden 20 Jahre. Während das Internet lange Zeit ein Fall für die Universitäten blieb, wurde es durch die Erfindung des WWW der breiten Masse zugänglich. Denn während ersteres nur mittels sperriger Software und Befehle zu nutzen ist, kann man im www flott dahinsurfen, von Seite zu Seite, von Computer zu Computer springen.

Das World Wide Web ist, was viele nicht wissen, ein europäisches Kind. Die Eltern sind ein Brite und ein Belgier. Die Entwicklung wurde zum größten Teil aus europäischen Steuergeldern finanziert (es war nicht teuer). Der Geburtsort ist das CERN (European Organization for Nuclear Research) in Genf.

Es beschäftigt 3000 Mitarbeiter und beherbergt 6500 Teilchenphysiker aus 80 Ländern, die am größten Kernforschungsinstitut ihre manchmal Jahre dauernden Experimente durchführen. Alle diese Wissenschaftler verwendeten verschiedene Computer, jeder schwor auf sein Betriebssystem, seine Software. Das Ergebnis war eine babylonische Sprachverwirrung. Kaum ein Physiker konnte die abgespeicherten Dateien der Kollegen lesen. Oft nicht mal seine eigenen, wenn er an seine Heimatuniversität zurückgekehrt war und nun mithilfe des Internet seinen Computer beim Cern benutzen wollte.

Das eigentliche Ziel: Ein allgemeines Dokumentationssystem

Tim Berners-Lee und Robert Cailliau wollten ein allgemeines DOKUMENTATIONSSYSTEM für das CERN programmieren. Die Idee war so einfach wie genial: Wenn man das Internet nutzt, um Hypertexte zu veröffentlichen , kann jeder von Information zu Information hüpfen, die in einer NETZARTIGEN STRUKTUR im virtuellen Raum verstreut sind - egal, welche Computer oder welche Software angewendet wird. Jede Datei sollte für alle lesbar sein, und jeder sollte Verbindungen zu anderen Dokumenten legen können. Tim Berners-Lee wusste: "Ich würde ein System mit allgemeinen Regeln erstellen müssen, die für jeden akzeptabel waren. Das bedeutete, so weit wie möglich auf Regeln zu verzichten.".

Berners-Lee arbeitete in einer Abteilung an einem Programm für VERKNÜPFUNGEN, Cailliau in einer anderen ein paar Türen weiter vor seinem Computer. Alles lief natürlich online. Im Cern wusste niemand, was die beiden da genau trieben. Jederzeit hätte ein Vorgesetzter vorbeischauen und mit einem "Was macht ihr da eigentlich" das PROJEKT STOPPEN können. Doch niemand störte die beiden; in den benachbarten Büros die esoterischen Grundlagenforscher, unter ihnen der riesige Teilchenbeschleuniger, in denen Protonen, Elektronen und Ionen in die Nähe von Lichtgeschwindigkeit katapultiert wurden. So strickten der Brite und der Belgier ein Code für die ganze Welt, unbemerkt von ihren Chefs, fast heimlich.

Bei der Präsentation waren die Wissenschaftler am Cern skeptisch. Zu oft hatten Programmierer ihnen neue Systeme aufdrängen wollen, die sich später als unhandlich herausgestellt hatten. Als ihnen Robert und Tim das Web demonstrierten, indem sie das interne Cern-Telefonverzeichnis aufriefen, ernteten sie nicht gerade Begeisterungsstürme: Das kann ich auch alles in meinem Telefonbuch auf dem Schreibtisch finden, war der Tenor.

Die (rasche) Entwicklung

Den beiden Programmierern erschien die Entwicklung des Web quälend langsam, von heute aus gesehen war sie rasant. Im Sommer 1991 gab es täglich 1000 Zugriffe auf ihren Server, im März 1993 macht das Web 0,1 Prozent des Internet-Verkehrs aus, im Dezember desselben Jahres waren es bereits unglaubliche 2,5 Prozent. Heute sind es nahezu 100.

Erst das World Wide Web machte aus dem Internet eine Goldgrube.

Von den Anfängen des Mediums ist nicht mehr viel zu sehen. Die ersten Websites von Berners-Lee und Cailliau sind ebenso verschwunden wie der erste Drucksatz Gutenbergs mit beweglichen Lettern.

Die beiden hatten an einem NeXT-Computer das Web gewoben, eine Erfindung von Steve Jobs. Als Tim Berners-Lee und Robert Cailliau am 25. Dezember 1990 den Computer hochfuhren und "Info.cern.ch" auf dem Bildschirm aufflackerte, hatte sich vielleicht nicht die Welt verändert, aber die Art und Weise, wie wir sie ansehen. Und das ist eigentlich dasselbe, oder?

Persönliche Bemerkungen von Tim Berners-Lee

Jeden Augenblick konnte einer fragen, warum ich meine Zeit damit verschwendete

Die Erfindung des World Wide Web war die Folge meiner über lange Zeit herangereiften Erkenntnis, dass eine Kraft darin liegt, Ideen in einer unbegrenzten und NETZARTIGEN STRUKTUR anzuordnen. Und dieses Bewußtsein erwachte in mir auf genau diese Art und Weise.

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Am WEIHNACHTSTAG 1990 lief der Browser und Editor namens World Wide Web auf meinem und Roberts Computer. Wir kommunizierten über das Internet mit dem Server INFO.CERN.CH. So bedeutend dieses Ereignis auch war, ich war nicht sonderlich fixiert darauf. Denn meine Frau und ich erwarteten am Heiligabend unser erstes Kind.

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Computer speichern Informationen als Zeichenfolgen, deshalb liegt Bedeutung für sie in den Verbindungen zwischen Zeichen. Wenn eine Zeichenfolge wiederkehrte, sollte mein Softwareprogramm Tangle (= Gewirr) einen Knoten erzeugen, der diese Zeichenfolge repräsentierte. Immer wenn dieselbe Zeichenfolge wieder auftrat, setzte Tangle einfach einen Knoten, anstatt die Zeichenfolge zu wiederholen. Wenn mehr und mehr Phrasen in Form solcher Knoten gespeichert sein würden und zunehmend viele Zeiger auf solche Knoten wiesen, würde sich eine Folge von VERKNÜPFUNGEN bilden.

Das, wonach ich suchte, fiel unter die allgemeine Kategorie der DOKUMENTATIONSSYSTEME-Software, die die Speicherung und den späteren Abruf von Dokumenten ermöglicht. Dies war jedoch eine dubiose Arena. Ich hatte am CERN zahlreiche Programmierer kommen und gehen sehen, die Systeme anpriesen, die Leuten bei der Organisation von Information "helfen" sollten: Sie pflegten zu sagen: "Um dieses System zu nutzen, müssen Sie nur alle Ihre Dokumente in vier Kategorien aufteilen" oder "Sie müssen Ihre Daten lediglich als Blablabla-Dokumente speichern" oder so ähnlich.

Ich erlebte, wie ein Protagonist nach dem anderen von entrüsteten Wissenschaftlern zur Schnecke gemacht wurde, die ihrerseits von den Programmierern gezwungen werden sollten, ihre Arbeit umzustrukturieren, dass sie in deren System passte.

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Ich war nicht am CERN angestellt, um das Web zu erfinden. Jeden Augenblick konnte einer von weiter oben fragen, warum ich meine Zeit damit verschwendete. Und obwohl es am CERN unüblich war, Leute an der Verfolgung ihrer eigenen Ideen zu hindern, hätte mein PROJEKT JEDERZEIT GESTOPPT werden können.

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Die Leute im INTERNET bauten das Web in echter Basisarbeit auf. Hin und wieder bekam ich Emails: "Hey, ich habe gerade einen Server eingerichtet und der ist total cool. Hier ist die Adresse."

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Häufig war es für die Leute schwer zu verstehen, dass sich bei dem ganzen Design "hinter" HTML schlicht nichts verbarg. Es gab keinen Computer, der das Web "kontrollierte", kein separates Netzwerk, auf dem die Protokolle liefen, ja nicht einmal irgend eine Organisation, die das "Web" betrieb. Das Web war überhaupt kein physisches "Ding", das an irgend einem "Ort" existierte. Es war lediglich ein "Raum", in dem Informationen existieren können.

Ich erklärte den Leuten, das Web sei mit der Marktwirtschaft vergleichbar. In einer Marktwirtschaft kann jeder mit jedem Handel treiben, und die Beteiligten müssen dazu nicht unbedingt auf einen zentralen Marktplatz gehen. Nötig sind nur einige wenige Praktiken, denen alle zustimmen müssen: so etwa eine allgemein gültige Handeswährung und Regeln für den fairen Handel. Das Äquivalent dieser Regeln im Web sind die Regeln der Adressierung - die URI und die Sprache, die Computer benutzen - HTTP.

Persönliche Bemerkungen von Robert Cailliau zu den Anfängen

Wie fing alles an?

Tim und ich arbeiteten damals an einem Dokumentationssystem für das Cern. Wir sollten für die Wissenschaftler beim Cern ein System entwickeln, mit dem sie auch dann Zugriff auf Unterlagen in den Computern vom Cern haben, wenn sie wieder zu Hause an ihren Universitäten sind. Natürlich hatte uns niemand beauftragt, ein System für die ganze Welt zu erfinden.

Die wichtigste Idee am Anfang war, einen Namensraum zu schaffen, den URI. Lassen Sie mich dieses Prinzip an einem Beispiel verdeutlichen. Wenn ich hier aus Genf nach Deutschland telefoniere, wähle ich als Vorwahl die 0049 für Deutschland. Dahinter ist dann der eigentliche Anschluss. Für das WEB haben wir so ein Identifizierungsprogramm aufgebaut. Es gibt allerdings einen großen Unterschied zum Telefonnetz. Die deutsche Telefonbehörde legt fest, welche Nummern der einzelne Anschluss bekommt. Im WEB kann das jeder Server selbst bestimmen. Dabei muss es im WEB gar kein Dokument unter dieser Adresse geben, aber die Möglichkeit ist da, eins zu schaffen. Jeder Server kann hinter seiner so genannten Vorwahl, dem Uri, eine beliebige Menge verteilter Informationen anbieten.

Das war die Grundidee. Als wir den ersten Server Info.cern.ch entwickelt hatten, war damit das WEB geboren.

Das WEB war schon zu Beginn sehr schnell, denn wir waren direkt am Internet angeschlossen. Heute läuft ja alles über Modems und von dort über das Telefon und erst von dort ins Internet. Bis 1994, 1995 gab es gar keine Modems. Modems sind nur eine temporäre Erscheinung, die werden auch wieder verschwinden.

Die Internet-Gemeinde hat sehr schnell begriffen, worum es beim WEB geht. Das ist wirklich ein lustiges Völkchen mit einem lobenswerten Wertesystem. Wenn es funktioniert, ist es gut; wenn etwas Besseres kommt, probieren wir es aus. Es geht nicht um eine demokratische Mehrheit, die bestimmt, sondern rein um die Funktion.

Die Manager, die Politiker und die Journalisten, das waren die, die das WEB zu Beginn nicht verstehen wollten. So war das am Anfang alles etwas zäh. Das war nicht nur ein Nachteil, denn die Einwände der realen Welt erinnerten uns immer wieder, dass wir uns beruhigen mussten, wenn wir zu ungeduldig waren. Aber manchmal waren wir frustriert über die Langsamkeit der Entwicklung. Das dauerte!

Wir wollten keine kommerzielle Software entwickeln, wir wollten, dass die Eigentümer vom Cern, also die nationalen Staaten, diese Software entwickeln. Unsere Aufgabe war es, zu sagen: Das ist die Idee, das funktioniert, das sind die Standards.

Obwohl das WEB hier erfunden wurde, kommt die ganze Software von der Westküste der USA. Leider Gottes hat Europa kein nennenswerte Softwareindustrie.

Aber es ist noch nicht zu spät, es gibt immer neue Entwicklungen, und Europa muss nicht warten, bis die andere Seite damit ankommt. Im W3C, dem Webkonsortium, das über die Standards wacht, haben Europäer immer noch die Mehrheit.

Persönliche Bemerkungen von Robert Cailliau zur ersten Website

Wie sah die erste Website der Welt aus?

Die erste Website? Da muss ich aber tief kramen. Das ist ja richtige Archäologie. Irgendwo gibt es vielleicht noch ein paar Backups. Damals, vor zehn Jahren, hatte wir natürlich keine Ahnung, wie groß und wichtig das alles einmal werden wird. Deshalb haben wir natürlich auch wenig archiviert, denn im digitalen Medium verändert man ja dauernd etwas. Das ist ja das Gute daran.

Unsere erste Website hatte einen grauen Hintergrund und beschrieb unser Projekt, nämlich die verschiedenen Computer mit Hypertext zu vernetzen. Das Design war gleichzeitig die Gebrauchserklärung.

Die meisten Menschen denken, dass die ersten Websites primitiv und rudimentär waren. Das Gegenteil ist der Fall! Unsere Websites hatten viele Funktionen, die es heute nicht mehr gibt. Zum Beispiel einen Überblick, mit dem man auf die Links (Verbindungen) sehen konnte, ohne zu klicken. Oder man konnte das Dokument ausdrucken, was dann erst sechs Jahre später wieder möglich war.

Bei jedem Klick erschien ein neues Fenster. Aber das alte Fenster war immer noch da, im Gegensatz zu heute. Jedes Mal, wenn einer ein Diagramm oder eine Grafik anklickte, öffnet sich ein neues Fenster. Natürlich war nach einer Weile dann dein Bildschirm voller kleiner Fenster. Wenn es zu unübersichtlich wurde, haben wir die Fenster bis auf das letzte wieder weggeklickt. Wir konnten auch Pfade anlegen, die uns zu den verschiedenen Links führten.

Die ersten Server waren auch Editoren, mit denen wir am eigenen Dokument direkt arbeiten konnten. Heute geht das nicht mehr. Beim ersten Klicken mit der Maus riefen wir die Werkzeuge auf, um eine Datei zu verändern. Erst mit dem zweiten Klick öffnete sich der nächste Link.

Am Anfang dachten die Leute noch, eine Website sei so ähnlich wie ein Papier, und suchten immer die Fußnoten. Aber die wurden ja gerade überflüssig gemacht. Wir waren froh, nicht mehr an die engen Grenzen der Präsentation gefesselt zu sein. Keine Seitenumbrüche, keine Fußnoten! Was für eine Erleichterung! Keine verschiedenen Schrifttypen mehr. Es gab überhaupt keine Wahl von Schriftarten. Das war ja, was wir nicht mehr wollten. Wir wollten die reine Information und den Weg dahin.

In den ersten zwei Jahren gab es etwa 20 Server, alle in Europa. Niemand besuchte diese Sites, weil sie schön anzusehen waren, es ging darum, sie auszuprobieren. Wir schauten schon mal nach einer Telefonnummer im Web, aber wir sagten nicht: Wow! was für eine coole Seite! Es war alles sehr, sehr pragmatisch und nüchtern. Das Web war ein Informationssystem und kein attraktives Bildschirmfernsehen.

Heutzutage sind die meisten Web-Seiten gar keine wirklichen Websites mehr. Das sieht man schon am Begriff Homepage. Ich hasse diesen Ausdruck. Es ist eine Willkommensseite, von dort sollte es weiterführen. Oft ist da nur ein eindimensionales Wortdokument. Das wollten wir gerade loswerden. Wir haben unsere Dokumentationen in Hypertext geschrieben. Wenn es jemand ausdrucken wollte, wurde es umgewandelt. So soll es sein, das war die Idee.

Leider hat sich alles umgedreht. Die Menschen schreiben mit Textverarbeitungsprogrammen und wandeln es dann in Hypertext um. Dabei ist es so herum gar nicht einfacher! Wie wir Links machten, das war sehr viel einfacher. Heutzutage ist es eine Qual. Die Werkzeuge, Links herzustellen, sind unglaublich komplex geworden. Als Autor finde ich es unerträglich, damit zu arbeiten. Außerdem brauchen moderne Websites ewig, um sich aufzubauen.

Eine Website muss farbig und attraktiv sein, mit lauter rumhüpfendem Zeug. Aber es hilft dir nicht, Informationen zu finden. Viele Websites drängen dir verwirrende Hintergründe und unglaublich kleine Schrifttypen auf, ganz eigenartige Buchstaben, die ich schon gar nicht mehr lesen kann. Die sehen alle aus wie Druckseiten einer Zeitung mit möglichst vielen Bildern drin. Die lassen dir keine andere Wahl, als das zu nehmen, was sich so ein Grafikdesigner ausgedacht hat. Wir sind denen hilflos ausgeliefert.

Die Frage war für uns: Wie kommen wir an Informationen, reine Informationen? Die Nutzer waren zuständig für die Präsentation, nicht der Browser machte das Design. Natürlich hassen die ganzen Grafikdesigner dieses Konzept der Selbstbestimmung. Man sieht heute keinen Hypertext mehr im Web.

Aus: TIM Berners-Lee: DER WEB-REPORT

Econ-Verlag

Verweise

Tim Berners-Lee Jahrgang 1955, Brite, lehrt heute als Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er erfand den Namen Wold Wide Web.

Internetadresse von Tim Berners-Lee

Robert Cailliau Jahrgang 47, Belgier, ist immer noch am Cern (Stand Jahr 2003)

Internetadresse von Robert Cailliau

Internet: Das Internet entstand 1969, indem das US-Militär seine Computer vernetzte. Vor allem amerikanische Universitäten verbanden ihre Computer über Standleitungen miteinander. Im Internet wurden Informationspakete verschickt und später dann auch eMails. In den studentisch geprägten Newsgroups entwickelte sich ein eigener Internet-Ethos: technischer Fortschritt und absolute Informationsfreiheit.

Details findet man auf den Seiten der Internet Society.

CERN: "European Organisation for Nuclear Research" in der Nähe von Genf. Hier erforschen Physiker aus aller Welt die kleinsten Bestandteile der Materie. Elektronen werden innerhalb von einer Sekunde 11000-mal durch dienen 27 Kilometer langen unterirdischen Teilchenbeschleuniger gejagt. Im Cern steht der weltgrößte Magnet, er wiegt mehr als der Eiffelturm. Pro Sekunde werden zehn Millionen Antimaterieteilchen hergestellt.

Hypertext: Nichtsequenzieller Text mit Verbindungen (Links)

AOL: AOL ist ein Online-Dienst wir T-Online, der dem Nutzer den Zugang zum Internet ermöglicht und eigene Inhalte anbietet

Yahoo: Yahoo ist ein Katalog, um im Web bestimmte Themen zu finden - nicht zu verwechseln mit einer Suchmaschine wie beispielsweise Google.

Netscape: Netspace entwickelte ein gleichnamigen Browser, eine Software, mit der man Web-Seiten lesen kann

Sun Microsystems:Sun Microsystems ist ein Computerunternehmen, das die Programmiersprache Java schuf, die auf allen Computerbetriebssystemen läuft. Sun und Microsoft sind Gegner im Anti-Trust-Verfahren in den USA

HTML: HyperText Markup Language, die Seitenbeschreibungssprache, in der www-Seiten verfasst werden

URL: UNIFORM RESOURCE IDENTIFIER ist die Adresse im Web

Steve Jobs: Mitbegründer von Apple Computer. Der Apple ist berühmt für seine intuitiv zu benutzende Benutzeroberfläche, das heißt, das Betriebssystem des Computers zeigte den Bildschirm als eine Art Schreibtisch, auf dem sich grafische Symbole wie ein Papierkorb befinden.

Steve Jobs

Sieben Hügel des Wissens: War bis zum 29. Oktober 2000 im Berliner Martin-Gropius-Bau

Sieben Hügel des Wissens

Webkonsortium:

W3C

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Entstehung des Internets

Das ARPA-Net

Die Ursprünge des heutigen Internet reichen in die 60er Jahre zurück. Es war die Zeit des Kalten Krieges zwischen den beiden Weltmächten USA und UdSSR. Neue Impulse in der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) kamen in jener Zeit hauptsächlich durch militärische Initiativen zustande.

Im Departement of Defense, dem amerikanischen Verteidigungsministerium, wurde überlegt, wie man wichtige militärische Daten besser schützen könnte. Selbst bei einem atomaren Angriff des Gegners sollten die Daten nicht werden können. Als Lösung kam nur ein elektronisches Datennetz in Frage. Die gleichen Daten sollten dabei auf mehreren, weit entfernten Rechnern abgelegt werden. Bei neuen oder geänderten Daten sollten sich alle angeschlossenen Rechner binnen kürzester Zeit den aktuellen Datenstand zusenden. Jeder Rechner sollte dabei über mehrere Wege mit jedem anderen Rechner kommunizieren können. So würde das Netz auch dann funktionieren, wenn ein einzelner Rechner oder eine bestimmte Leitung durch einen Angriff zerstört würde.

Die Advanced Research Projects Agency (ARPA), Teil der US-Militärs, realisierte das geplante Projekt. In den ersten Jahren wurde das Netz deshalb ARPA-Net genannt. Ende 1969 waren die ersten vier Rechner an das ARPA-Net angeschlossen. Drei Jahre später waren es bereits 40 Rechner.

Die Geschichte des Internet beginnt also in Zeit der ersten Mondlandung und in jener Zeit, als die Hippies das Zeitalter des Wassermanns heraufziehen sahen.

Informationen zum ARPA-Net im WWW:

Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA)

History of ARPANET

Wissenschaftliche Einrichtungen

Das Prinzip der vernetzten Rechner war aber nicht nur für militärische Zwecke interessant. Man erkannte schnell, dass auch der akademische Betrieb vom ARPA-Net profitieren würde. Für Wissenschaftler war allerdings weniger das Synchronisieren von gleichen Daten auf mehreren Rechnern interessant, sondern eher die Möglichkeit, Daten von einem anderen Rechner abzurufen. Wegen der offenen Architektur des ARPA-Net stand einer solchen Verwendung nichts im Wege. Wissenschaftler konnten von den frühen 70er Jahren an Forschungsergebnisse anderer Institute über das ARPA-Net abrufen oder anderen angeschlossenen Instituten eigene Daten zur Verfügung stellen.

Die Anzahl der angeschlossenen Rechner stieg an. Es handelte sich um sehr unterschiedliche Rechnertypen mit nicht kompatiblen Betriebssystemen und unterschiedlichem Netzzugang. Grossrechner verschiedener Fabrikate, Unix-Rechner und später auch Personal Computer drängten ins Netz. Einige hatten eine Standleitung, also eine ständige Internetverbindung, andere wählten sich über Telefon und Modem ein. Um die unterschiedlichen Voraussetzungen unter einen Hut zu bringen, entstand die Notwendigkeit, ein neues Datenübertragungsprotokoll für das Netz zu entwickeln. Das Protokoll sollte nicht an bestimmte Computersysteme, Übertragungswege oder Übertragungsgeschwindigkeiten gebunden sein. Aus den Bemühungen um ein solches Protokoll ging schliesslich das TCP/IP-Protokoll hervor. Datenübertragungen im ARPA-Net liefen nach Einführung von TCP/IP nach einem einheitlichen und standardisierten Schema ab.

Zu den wissenschaftlichen Einrichtungen gehörten natürlich auch Studenten. Die entdeckten das Netz auf ihre Weise. Eine Art "black board" war ihr Wunsch, ein Nachrichtenbrett wie in Universitäten üblich, für Mitfahrgelegenheiten, Jobs, Wohnmöglichkeiten, Reisepartner oder die Möglichkeit, einfach nur zu diskutieren und zu labern. So entstand das Usenet, die Hauptader der heutigen Newsgroups. Viele eingefleischte "Internetter" halten die Newsgroups auch heute noch für den spannendsten und lebendigsten Teil des Internet.

Das Netz der Netze

Der Anschluss der akademischen Welt ans Netz erforderte eine Trennung zwischen militärischem und zivilen Teil, da die Militärs ihre eigenen Interessen wahren wollten. So kam es, dass Anfang der 80er Jahre ein neues militärisches Datennetz, das Milnet, vom ARPA-Net abgekoppelt wurde. Das ARPA-Net selbst wurde dem wissenschaftlichen Betrieb überlassen.

Im zivilen Teil des Netzes nahm die Anzahl der angeschlossenen Rechner im Laufe der 80er Jahre sprunghaft zu. Eine wichtige Rolle spielte dabei die amerikanische National Science Foundation (NSF). Diese Organisation schaffte ein Leitungs-Verbundsystem, das alle bedeutenden wissenschaftlichen Rechenzentren des Landes miteinander verband. Einzelne Universitätsrechner oder kleinere Rechnernetze konnten sich mit einem Rechenzentrum verbinden und darüber in andere Netze gelangen. So entstand buchstäblich ein Netz der Netze. Alsbald bürgerte sich denn auch der Name "Internet" dafür ein. Die Bezeichnung "ARPA-Net" wurde Ende der 80er Jahre verworfen. Das Leitungs-Verbundsystem, über das die kleineren Einzelnetze zu einem Gesamtnetz wurden, erhielt die treffende Bezeichnung Backbone (Rückgrat).

In Europa gab es zeitgleich ähnliche Entwicklungen. Auf dem alten Kontinent setzte man jedoch zunächst auf ISO-Normen. Von dem amerikanischen TCP/IP-Modell, das nicht ISO-normiert war, wollte man deshalb nichts wissen. 1986 wurde die Organisation RARE (Rèseaux Associès pour la Recherche Europèenne) gegründet. Diese Organisation sollte alle Initiativen zur systemübergreifenden Rechnervernetzung europaweit koordinieren. RARE rief dazu ein Projekt namens COSINE (Cooperation for an Open Systems Interconnection Networking in Europe) ins Leben.

Der Siegeszug des TCP/IP-Protokolls war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Unter dem Druck des Erfolgs in Amerika entstand schliesslich ein europäisches Datennetz, das multiprotokollfähig war und unter anderem TCP/IP unterstützte. Dieses Netz lief zunächst unter der Bezeichnung EuropaNET. Verschiedene nationale wissenschaftliche Netzwerke, etwa das Deutsche Forschungsnetz (DFN), wurden daran angeschlossen.

Mittlerweile sorgt eine transatlantische Leitung für die Anbindung Europas an den Backbone in den USA. Die Koordination des Internet-Verkehrs innerhalb Europas obliegt der Organisation RIPE (Rèseaux IP Europèens). Auch in Europa gibt es seit 1992 ein Leitungs-Verbundsystem: dieses System nennt sich Ebone (Europäischer Internet-Backbone). Auf anderen Kontinenten gab und gibt es vergleichbare Entwicklungen.

Was wir also heute unter "Internet" verstehen, ist nicht ein einziges homogenes Netz, sondern ein Verbund aus vielen kleinen, territorial oder organisatorisch begrenzten Netzen. Diese Netze besitzen eine Anbindung an die Backbones und damit an das Gesamtnetz. Auch kommerzielle Internet-Provider hängen an entsprechenden Netzen. Eine europäische Landkarte mit den Backbones können Sie sich zeigen lassen, wenn Sie weiter unten Ebone-Net anklicken, auf der erscheinenden Seite Our Network und Ebone auswählen und dort in einem der ersten Sätze auf Our Network klicken (funktioniert nur online).

Ein paar Adressen im WWW zu diesen Themen:

National Science Foundation (NSF)

Deutsches Forschungsnetz (DFN)

Ebone-Net

Rèseaux IP Europèens (RIPE)

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Wichtige Standards im Internet

TCP/IP-Protokoll

TCP/IP ist der kleinste gemeinsame Nenner des gesamten Datenverkehrs im Internet. Erst durch dieses Protokoll wurde historisch gesehen aus einem begrenzten Netz ein Netz der Netze. Egal, ob Sie WWW-Seiten aufrufen, eMails versenden, mit FTP Dateien downloaden oder mit Telnet auf einem entfernten Rechner arbeiten: stets werden die Daten auf gleiche Weise adressiert und transportiert. TCP bedeutet Transmission Control Protocol (Protokoll für übertragungskontrolle), IP bedeutet Internet Protocol.

Wenn Sie eine eMail verschicken oder eine HTML-Datei im WWW aufrufen, werden die Daten bei der übertragung im Netz in kleine Pakete zerstückelt. Jedes Paket enthält eine Angabe dazu, an welche Adresse es geschickt werden soll, und das wievielte Paket innerhalb der Sendung es ist.

Die Adressierung besorgt das IP. Dazu gibt es ein Adressierungsschema, die sogenannten IP-Adressen.

Dass die Datenpakete auch wirklich beim Empfänger ankommen, und zwar in der richtigen Reihenfolge, dafür sorgt das TCP. Das TCP verwendet Sequenznummern für die einzelnen Pakete einer Sendung. Erst wenn alle Pakete einer Sendung vollständig beim Empfänger angekommen sind, gilt die übertragung der Daten als abgeschlossen.

Jeder Rechner, der am Internet teilnimmt, ist mit einer IP-Adresse im Netz angemeldet. Rechner, die ans Internet angeschlossen sind, werden als Hosts oder Hostrechner bezeichnet. Wenn Sie also mit Ihrem PC im WWW surfen oder neue eMails abholen, sind Sie mit einer IP-Adresse im Internet angemeldet. Ihr Zugangs-Provider, über dessen Hostrechner Sie sich einwählen, kann feste IP-Adressen für Sie einrichten. Grosse Zugangs-Provider, etwa Online-Dienste wie CompuServe oder AOL, vergeben auch personenunabhängig dynamische IP-Adressen für jede Internet-Einwahl. Damit ein Rechner am Internet teilnehmen kann, muss er über eine Software verfügen, die das TCP/IP-Protokoll unterstützt. Unter MS Windows ist das beispielsweise die Datei winsock.dll im Windows-Verzeichnis.

IP-Adressierung

Eine typische IP-Adresse sieht in Dezimalschreibweise so aus: 149.174.211.5 - vier Zahlen also, getrennt durch Punkte. Die Punkte haben die Aufgabe, über- und untergeordnete Netze anzusprechen. So wie zu einer Telefonnummer im weltweiten Telefonnetz eine Landeskennzahl, eine Ortsnetzkennzahl, eine Teilnehmerrufnummer und manchmal auch noch eine Durchwahlnummer gehört, gibt es auch im Internet eine Vorwahl - die Netzwerknummer, und eine Durchwahl - die Hostnummer.

Der erste Teil einer IP-Adresse ist die Netzwerknummer, der zweite Teil die Hostnummer. Wo die Grenze zwischen Netzwerknummer und Hostnummer liegt, bestimmt ein Klassifizierungsschema für Netztypen.

Beispiele:

Klasse-A-Netz, xxx.xxx.xxx.xxx, 103.234.123.87

Klasse-B-Netz, xxx.xxx.xxx.xxx, 151.170.102.15

Klasse-C-Netz, xxx.xxx.xxx.xxx, 196.23.155.113

Die oberste Hierarchiestufe bilden die sogenannten Klasse-A-Netze. Nur die erste Zahl einer IP-Adresse ist darin die Netzwerknummer, alle anderen Zahlen sind Hostnummern innerhalb des Netzwerks. Bei Netzwerknummern solcher Netze sind Zahlen zwischen 1 und 126 möglich, d.h. es kann weltweit nur 126 Klasse-A-Netze geben. Eine IP-Adresse, die zu einem Klasse-A-Netz gehört, ist also daran erkennbar, dass die erste Zahl zwischen 1 und 126 liegt. Das amerikanische Militärnetz ist beispielsweise so ein Klasse-A-Netz. Innerhalb eines Klasse-A-Netzes kann der entsprechende Netzbetreiber die zweite, dritte und vierte Zahl der einzelnen IP-Adressen seiner Netzteilnehmer frei vergeben. Da alle drei Zahlen Werte von 0 bis 255 haben können, kann ein Klasse-A-Netzbetreiber also bis zu 16,7 Millionen IP-Adressen an Host-Rechner innerhalb seines Netzes vergeben.

Die zweithöchste Hierarchiestufe sind die Klasse-B-Netze. Die Netzwerknummer solcher Netze erstreckt sich über die beiden ersten Zahlen der IP-Adresse. Bei der ersten Zahl können Klasse-B-Netze Werte zwischen 128 und 192 haben. Eine IP-Adresse, die zu einem Klasse-B-Netz gehört, ist also daran erkennbar, dass die erste Zahl zwischen 128 und 192 liegt. Bei der zweiten sind Zahl Werte zwischen 0 und 255 erlaubt. Dadurch sind etwa 16.000 solcher Netze möglich. Da die Zahlen drei und vier in solchen Netzen ebenfalls Werte zwischen 0 und 255 haben dürfen, können an jedem Klasse-B-Netz bis zu ca. 65.000 Hostrechner angeschlossen werden. Klasse-B-Netze werden vor allem an grosse Firmen, Universitäten und Online-Dienste vergeben.

Die unterste Hierarchie stellen die Klasse-C-Netze dar. Die erste Zahl einer IP-Adresse eines Klasse-C-Netzes liegt zwischen 192 und 223. Die Zahlen zwei und drei gehören ebenfalls noch zur Netzwerknummer. über zwei Millionen solcher Netze sind dadurch adressierbar. Vor allem an kleine und mittlere Unternehmen mit direkter Internet-Verbindung, auch an kleinere Internet-Provider, werden solche Adressen vergeben. Da nur noch eine Zahl mit Werten zwischen 0 und 255 übrig bleibt, können in einem C-Netz maximal 255 Host-Rechner angeschlossen werden.

Ob dieses Adressierungs-Schema den Anforderungen der Zukunft noch gerecht wird, bezweifeln manche. Es gibt bereits Ideen zu einer Neustrukturierung der Adressierung von Netzen und Hostrechnern.

Client-Server-Technologie

Symbolische Darstellung des InternetFür die einzelnen Internet-Dienste wie World Wide Web, Gopher, eMail, FTP usw. muss auf einem Hostrechner, der anderen Rechnern diese Dienste anbieten will, eine entsprechende Server-Software laufen. Ein Hostrechner kann einen Internet-Dienst nur anbieten, wenn eine entsprechende Server-Software auf dem Rechner aktiv ist, und wenn der Rechner "online" ist.

Server sind Programme, die permanent darauf warten, dass eine Anfrage eintrifft, die ihren Dienst betreffen. So wartet etwa ein WWW-Server darauf, dass Anfragen eintreffen, die WWW-Seiten auf dem Server-Rechner abrufen wollen.

Clients sind dagegen Software-Programme, die typischerweise Daten von Servern anfordern. Ihr WWW-Browser ist beispielsweise ein Client. Wenn Sie etwa auf einen Verweis klicken, der zu einer HTTP-Adresse führt, startet der Browser, also der WWW-Client, eine Anfrage an den entsprechenden Server auf dem entfernten Hostrechner. Der Server wertet die Anfrage aus und sendet die gewünschten Daten. Um die Kommunikation zwischen Clients und Servern zu regeln, gibt es entsprechende Protokolle. Client-Server-Kommunikation im WWW etwa regelt das HTTP-Protokoll. Ein solches Protokoll läuft oberhalb des TCP/IP-Protokolls ab.

Dass ein Client Daten anfordert und ein Server die Daten sendet, ist der Normalfall. Es gibt jedoch auch "Ausnahmen". So kann ein Client nicht nur Daten anfordern, sondern auch Daten an einen Server schicken: zum Beispiel, wenn Sie per FTP eine Datei auf den Server-Rechner hochladen, wenn Sie eine eMail versenden oder im WWW ein Formular ausfüllen und abschicken. Bei diesen Fällen redet man auch von Client-Push ("Client drängt dem Server Daten auf").

Ein anderer Ausnahmefall ist es, wenn der Server zuerst aktiv wird und dem Client etwas ohne dessen Anforderung zuschickt. Das nennt man Server-Push ("Server drängt dem Client Daten auf"). Neue Technologien wollen diesen Ausnahmefall zu einer Regel erheben: die sogenannten Push-Technologien. Diese Technologien sollen ermöglichen, dass ein Client regelmässig Daten empfangen kann, ohne diese eigens anzufordern. Dadurch sind Broadcasting-Dienste wie aktuelle Nachrichten usw. realisierbar. Netscape und Microsoft Internet Explorer (beide ab Version 4.0) haben entsprechende Schnittstellen, um solche Dienste in Anspruch zu nehmen.

DNS - Domain Name Service

Computer können mit Zahlen besser umgehen, Menschen in der Regel besser mit Namen. Deshalb hat man ein System ersonnen, das die numerischen IP-Adressen für die Endanwender in anschauliche Namensadressen übersetzt.

Dazu hat man ein System geschaffen, das ähnlich wie bei den IP-Adressen hierarchisch aufgebaut ist. Eine Namensadresse in diesem System gehört zu einer Top-Level-Domain und innerhalb dieser zu einer Sub-Level-Domain. Jede Sub-Level-Domain kann nochmals untergeordnete Domains enthalten, muss es aber nicht. Die einzelnen Teile solcher Namensadressen sind wie bei IP-Adressen durch Punkte voneinander getrennt. Eine solche Namensadresse ist beispielsweise teamone.de.

Top-Level-Domains stehen in einem Domain-Namen an letzter Stelle. Es handelt sich um einigermassen sprechende Abkürzungen. Die Abkürzungen, die solche Top-Level-Domains bezeichnen, sind entweder Landeskennungen oder Typenkennungen. Beispiele sind:

de Deutschland

at österreich

ch Schweiz

it Italien

my Malaysia

com Kommerziell orientierter Namensinhaber

org Organisation

net Allgemeines Netz

edu amerikanische Hochschulen

gov amerikanische Behörden

mil amerikanische Militäreinrichtungen

Jede dieser Top-Level-Domains stellt einen Verwaltungsbereich dar, für die es auch eine "Verwaltungsbehörde" gibt, die für die Namensvergabe von Sub-Level-Domains innerhalb ihres Verwaltungsbereichs zuständig ist. Wenn Sie beispielsweise einen Domain-Namen wie MeineFirma.de beantragen wollen, muss der Antrag an das DENIC (Deutsches Network Information Center) gestellt werden. Kommerzielle Provider erledigen das für Sie, wenn Sie dort einen entsprechenden Service in Anspruch nehmen. Ihren Wunschnamen erhalten Sie aber nur, wenn die Namensadresse noch nicht anderweitig vergeben wurde. Schlaufüchse sind daher auf die Idee gekommen, Namen grosser Firmen, die noch keine eigene Domain beantragt haben, für sich zu reservieren, um sie dann, wenn auch die grosse Firma die Zeichen der Zeit erkennt, teuer an diese weiterzuverkaufen. Mittlerweile sind solchen Machenschaften Riegel vorgeschoben. Dennoch kommt es immer wieder zu Rechtsstreitereien wegen attraktiven Domain-Namen. Wenn etwa zwei zufällig gleichnamige Firmen, die sonst nichts miteinander zu tun haben, den gleichen Domain-Namen reservieren lassen wollen, kann nur eine der Firmen den Zuschlag erhalten. Um Streitigkeiten dieser Art zu reduzieren, gibt es mittlerweile auch neue Top-Level-Endungen.

Inhaber von zweiteiligen Domain-Namen können nochmals Sub-Level-Domains vergeben. So gibt es beispielsweise eine Domain namens seite.net. Die Betreiber dieser Domain haben nochmals Sub-Domains vergeben, wodurch Domain-Adressen wie java.seite.net oder javascript.seite.net entstanden.

Routing und Gateways

Im Internet als dem Netz der Netze ist es zunächst nur innerhalb des eigenen Sub-Netzes möglich, Daten direkt von einer IP-Adresse zu einer anderen zu schicken. In allen anderen Fällen, wenn die Daten an eine andere Netzwerknummer geschickt werden sollen, treten Rechner auf den Plan, die den Verkehr zwischen den Netzen regeln. Solche Rechner werden als Gateways bezeichnet. Diese Rechner leiten Daten von Hostrechnern aus dem eigenen Sub-Netz an Gateways in anderen Sub-Netzen weiter und ankommende Daten von Gateways anderer Sub-Netze an die darin adressierten Host-Rechner im eigenen Sub-Netz. Ohne Gateways gäbe es gar kein Internet.

Das Weiterleiten der Daten zwischen Sub-Netzen wird als Routing bezeichnet. Die Beschreibung der möglichen Routen vom eigenen Netzwerk zu anderen Netzwerken sind in Routing-Tabellen auf den Gateway-Rechnern festgehalten.

Zu den Aufgaben eines Gateways gehört auch, eine Alternativ-Route zu finden, wenn die übliche Route nicht funktioniert, etwa, weil bei der entsprechenden Leitung eine Störung oder ein Datenstau aufgetreten ist. Gateways senden sich ständig Testpakete zu, um das Funktionieren der Verbindung zu testen und für Datentransfers "verkehrsarme" Wege zu finden.

Wenn also im Internet ein Datentransfer stattfindet, ist keinesfalls von vorneherein klar, welchen Weg die Daten nehmen. Sogar einzelne Pakete einer einzigen Sendung können völlig unterschiedliche Wege nehmen. Wenn Sie beispielsweise von Deutschland aus eine WWW-Seite aufrufen, die auf einem Rechner in den USA liegt, kann es sein, dass die Hälfte der Seite über den Atlantik kommt und die andere über den Pazifik, bevor Ihr WWW-Browser sie anzeigen kann. Weder Sie noch Ihr Browser bekommen davon etwas mit.

Selbstorganisation im Internet

In Anbetracht der Teilnehmerzahl im Internet ist der Verwaltungsaufwand im Netz vergleichsweise klein. Die meisten Endanwender wissen nicht einmal, dass es solche Verwaltungsstellen überhaupt gibt.

Eine gesetzgeberische Institution, wie es sie etwa innerhalb des Verfassungsbereichs eines Staates gibt, gibt es im Internet als weltweitem Verbund nicht. Viele Bereiche im Internet beruhen faktisch auf Selbstorganisation. Bei Diensten wie eMail gilt beispielsweise das stille Abkommen, dass jeder beteiligte Gateway alle Mails weiterleitet, auch wenn weder Sender noch Empfänger dem eigenen Sub-Netz angehören. Die Kosten trägt zwar der Netzbetreiber, aber da alle ein Interesse am weltweiten Funktionieren des Netzes haben, ist jeder bereit, die anfallenden Mehrkosten zu tragen.

Die Funktionsfähigkeit des Internet basiert also auf der Bereitschaft der Beteiligten, keine Pfennigfuchserei zu betreiben! Grosszügigkeit hat das Internet geschaffen, und Kleingeisterei ist der grösste Feind der Internet-Idee.

Das Usenet, also der grösste Teil der Newsgroups, organisiert sich sogar vollständig selbst, weshalb leidenschaftliche Anhänger dieses System gerne als real existierendes Beispiel für Herrschaftsfreiheit anführen. Die "Verwaltung" findet im Usenet in speziellen Newsgroups statt (solchen, die mit news. beginnen). Dort können beispielsweise Vorschläge für neue Gruppen eingebracht werden, und in Abstimmungen wird darüber entschieden, ob eine Gruppe eingerichtet oder abgeschafft wird.

Offizielle Anlaufstellen gibt es für die Vergabe von Netzwerkadressen und für Namensadressen (DNS). Für die Vergabe von IP-Adressen innerhalb eines Netzwerks ist der jeweilige Netzbetreiber verantwortlich. Dazu kommen Organisationen, die sich um Standards innerhalb des Internets kümmern.

Die Kosten für die Datenübertragungen im Internet tragen die Betreiber der Sub-Netze. Diese Kosten pflanzen sich nach unten fort zu Providern innerhalb der Sub-Netze bis hin zu Endanwendern, die über Provider Zugang zum Internet haben oder Internet-Services wie eigene WWW-Seiten nutzen.

Liste wichtiger Organisationen

Die folgende Liste enthält einige Verweise zu den wichtigsten internationalen und nationalen Organisationen im Internet:

Vergabestelle für Domain-Namen unterhalb der Top-Level-Domain .de

Deutsches Network Information Center (DENIC)

Kollaboratives Projekt zwischen AT&T, General Atomics und Network Solutions, Inc. AT&T. Internationale Vergabestelle für Domain-Namen:

International Network Information Center (InterNIC)

Organisation für die Schaffung von neuen Top-Level-Domains.

Generic Top Level Domain Memorandum of Understanding (gTLD-MoU)

Organisation zur Dokumentation der Netzstruktur und der grundsätzlichen Abläufe im Internet.

Internet Architecture Board (IAB)

Zentrale Koordinationsstelle für Internet-Protokolle

Internet Assigned Numbers Authority (IANA)

Internationale Gemeinschaft von kommerziellen und nicht-kommerziellen Aktiven im Internet mit dem Ziel, technische Standards im Internet vorzuschlagen.

Internet Engineering Task Force (IETF)

Internationale Organisation für die Kooperation und Koordination von Technologien und Anwendungen im Internet.

Internet Society

Organisation, die speziell die Weiterentwicklung technischer Standards des World Wide Web koordiniert, etwa HTML oder das HTTP-Protokoll.

W3-Konsortium

Vor allem jene Organisationen, die sich um die technische Weiterentwicklung im Internet kümmern, werden zunehmend von grossen Software-Firmen wie Microsoft, Netscape oder Sun bestürmt, da diese Firmen ein Interesse daran haben, ihren Software-Produkten und hauseigenen Standards bei Server-Technologien, Programmiersprachen usw. zum Status weltweiter Internet-Standards zu verhelfen. Ob und wie weit es gelingt, im Internet angesichts des entstehenden Milliardenmarkts neue, firmenunabhängige Standards durchzusetzen, die so erfolgreich werden wie HTML oder HTTP, muss die Zukunft zeigen.

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Dienste im Internet

eMail

eMail (elektronische Post) ist wohl der am meisten genutzte Internet-Dienst. eMail erlaubt die persönliche übermittlung von Nachrichten und Dateien von einem Sender an einen Empfänger. Wer an diesem Dienst teilnehmen will, braucht folglich eine eigene eMail-Adresse. Solche Adressen sind an dem berühmten @ (sprich: englisch "at", also "bei") in der Mitte erkennbar.

Vor allem im Business-Bereich verdrängt eMail nach und nach die herkömmliche Briefpost (von eMail-Anhängern liebevoll oder verächtlich als "Schneckenpost" oder "snail mail" bezeichnet). Auch das Fax ist eine durch eMail gefährdete Gattung. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • eMails brauchen meist nur wenige Minuten vom Sender zum Empfänger, egal ob einige wenige oder mehrere tausend Kilometer zwischen ihnen liegen.
  • eMails sind preiswert. Im Vergleich zu Briefen fallen für einfache eMails nur Pfennigbeträge an.
  • Gegenüber einem Telefonat bieten sie den Vorteil, dass Vereinbarungen oder dergleichen darin schriftlich festgehalten werden.
  • Moderne eMail-Programme können eMails in einer durchsuchbaren Datenbank speichern, so dass Sie vor längerer Zeit gesendete oder empfangene Mails leicht wiederfinden.
  • Der Mime-Standard, der sich bei eMails allmählich durchsetzt, erlaubt das bequeme Anhängen beliebiger Computerdateien an eine Mail, so dass eMail auch für den individuellen Austausch von Dateien immer mehr Bedeutung gewinnt.
  • eMail zwingt Sender und Empfänger nicht, gleichzeitig online zu sein. Sie holen sich Ihre eMails ab, wenn Sie gerade Zeit haben.
  • Neben der Möglichkeit, mit bestimmten anderen Internet-Teilnehmern Nachrichten und Daten auszutauschen, können Sie mit einer eigenen eMail-Adresse auch an Mailing-Listen teilnehmen, die Sie interessieren.

Das heutige eMail-System hat aber auch noch mit einigen Problemen zu kämpfen. Eine normale eMail ist auf dem Weg vom Sender zum Empfänger etwa so geheim wie eine Ansichtskarte. Für vertrauliche Mitteilungen oder sensible Daten ist sie ungeeignet. Mittlerweile gibt es Verschlüsselungsverfahren wie PGP (Pretty Good Privacy), die das individuelle Kodieren und Dekodieren von eMails und angehängten Dateien erlauben. Voraussetzung ist dazu jedoch, dass sowohl Sender als auch Empfänger über eine entsprechende Zusatzsoftware verfügen und zuvor ihre öffentlichen Kodierschlüssel austauschen.

Telnet

Telnet ist dazu gedacht, einen fernen Rechner im Internet so zu bedienen, als sässe man direkt davor. Telnet ist damit eine einfache Lösung für Teleworker. Und diese Lösung ist schon wesentlich älter als der Begriff des "Teleworkings".

Telnet ist vor allem für Unix-Systeme gedacht. Es erlaubt das betriebssystemeigene login (Anmelden) eines Benutzers an einem ans Internet angeschlossenen Host-Rechner in Form eines rlogin (remote login). Das Anmelden ist nur möglich, wenn Sie User-ID und Passwort kennen, d.h. auf dem angewählten Host-Rechner als Benutzer eingetragen sind. Nach dem Einwählen erhalten Sie eine Unix-Shell (Eingabeaufforderung) und können auf dem entfernten Rechner Betriebssystembefehle eingeben, Programme starten usw.

PC-Anwender, die nicht direkt mit der Verwaltung von Server-Rechnern im Internet zu tun haben, werden mit Telnet kaum in Berührung kommen. Es gibt jedoch auch für PC-Benutzer von Systemen wie MS Windows oder Macintosh Telnet-Clients. Diese Programme erlauben es, vom eigenen PC aus auf einem entfernten Host-Rechner zu arbeiten. Ohne Kenntnis der Befehle des Hostrechner-Betriebssystems ist ein solches Programm allerdings zwecklos.

File Transfer (FTP)

FTP ist ein Internet-Dienst, der speziell dazu dient, sich auf einem bestimmten Server-Rechner im Internet einzuwählen und von dort Dateien auf den eigenen Rechner zu übertragen (Download) oder eigene Dateien an den Server-Rechner zu übertragen (Upload). Ferner bietet das FTP-Protokoll Befehle an, um auf dem entfernten Rechner Operationen durchzuführen wie Verzeichnisinhalte anzeigen, Verzeichnisse wechseln, Verzeichnisse anlegen oder Dateien löschen.

Beim Einwählen an einem FTP-Server gilt es, zwei Arten zu unterscheiden: es gibt "normales" FTP und anonymes FTP.

Beim normalen FTP haben Sie nur Zugriff auf den Server, wenn Sie beim Einwählen eine individuelle User-ID und ein Passwort angeben. Mit diesen Zugangsdaten muss der FTP-Serververwalter Sie am Server als berechtigten Anwender eingetragen haben.

Bei anonymem FTP handelt es sich um öffentlich zugängliche Bereiche auf Server-Rechnern. Dazu brauchen Sie keine Zugangsberechtigung. Sie wählen sich einfach mit der User-ID "anonymous" ein, und als Passwort geben Sie Ihre eMail-Adresse an. Es gibt etliche öffentliche FTP-Server im Internet, die umfangreiche Dateibestände zum Download anbieten. Hier erhalten Sie Software, Hilfetexte, Grafiksammlungen usw.

Für öffentliche, anonyme FTP-Server gibt es Regeln. Da Sie beim Besuch solcher Server nur Gast sind, sollten Sie sich auch entsprechend verhalten. Bleiben Sie nicht länger als nötig. Laden Sie sich nicht unnötig viele Dateien herunter. Lesen Sie zuerst die Readme-Dateien, die es in fast jedem Verzeichnis gibt und die den Inhalt des Verzeichnisses erläutern.

Wenn Sie lediglich hin und wieder öffentlich zugängliche FTP-Server besuchen, um von dort Dateien downzuloaden, können Sie das auch mit modernen WWW-Browsern wie Netscape oder dem MS Internet Explorer tun. Solche Browser zeigen die Dateilisten auf FTP-Servern als anklickbare Verweise an. Je nach Dateityp können Sie Dateien dann downloaden oder direkt im Browser-Fenster anzeigen.

Für anspruchsvollere Arbeiten, vor allem, wenn Sie die Dateien Ihres eigenen WWW-Projekts verwalten wollen, brauchen Sie einen FTP-Programm. Solche Programme gibt es für alle Betriebssysteme, und einige Betriebssysteme, etwa alle Unix-Derivate oder OS/2, haben bereits einen eingebauten FTP-Client.

Gopher

Gopher gilt heute als der Vorläufer des World Wide Web. Der Name kommt von "go for" und drückt damit aus, was der wichtigste Zweck dieses Dienstes ist: nämlich grosse Informationsbestände leichter durchsuchbar zu machen.

Gopher ist eine menübasierte Bedienoberfläche zum Auffinden von Information, aber auch zum Nutzen anderer Internet-Dienste wie FTP oder Telnet. Einem Eintrag in einem Gopher-Menü ist nicht anzusehen, wo sich die damit verbundenen Dateien oder Programme befinden. Anwender mit text- und tastaturorientierten Rechnern können aus den Menüs, die das Gophersystem am Bildschirm anzeigt, mit Buchstaben- oder Zifferntasten Einträge auswählen. Bei grafischen Benutzeroberflächen sind die Menüs mit der Maus anklickbar. In dieser Hinsicht gleicht Gopher dem World Wide Web, denn auch bei diesem Dienst müssen Sie keine Insider-Befehle kennen, um im Informationsbestand zu navigieren.

Der Nachteil von Gopher gegenüber dem WWW ist, dass es keine Standards wie HTML gibt. Es gibt lediglich die Gopher-Menüs und die damit verknüpften Dateiaufrufe oder Befehle. Ein guter Gopher-Client kann zwar diverse Dateiformate anzeigen, doch es gibt kein Mittel, um Bildschirmseiten zu gestalten und dadurch eigenständige Präsentationenen von Information zu schaffen.

Moderne WWW-Browser wie Netscape sind auch gopher-fähig. Das bedeutet, dass Sie mit einem solchen Browser problemlos Gopher-Adressen aufrufen können. Die Gopher-Menüs erscheinen im Browser wie Listen mit Verweisen in HTML.

Chat (IRC)

Wer sich einsam fühlt oder einfach "in" sein will, geht im Internet chatten (ratschen, quatschen). Am Bildschirm erscheint dann ein zweigeteiltes Fenster. In den einen Teil werden wie von Geisterhand allerlei ganze und halbe Sätze, Kommentare und solche Dinge wie Emoticons hineingeschrieben. Das sind Beiträge von Teilnehmern, die gerade an der gleichen Stelle online sind. Im anderen Fenster können Sie selbst etwas eintippen. Auf diese Weise können Sie an der Unterhaltung teilnehmen. Mittlerweile gibt es auch grafische Oberflächen, bei denen sich jeder Chat-Teilnehmer eine Figur aussucht, die dann als Teilnehmer in einer Szenerie erscheint.

Kaum jemand erscheint dort mit seinem wahren Namen, und nicht wenige geben sich als etwas ganz anderes aus, als sie wirklich sind. Männer spielen Frau, um herauszufinden, wie es ist, als Frau von einem Mann angemacht zu werden. Erwachsene spielen Jugendliche, um sich mal wieder richtig pubertär benehmen zu dürfen. Hin und wieder kommen interessante Gespräche zustande, aber oft haben die Chat-Beiträge auch das Niveau von Kindergestammel.

IRC ist einer der Internet-Dienste, die teuer werden können. Denn während der ganzen Teilnahmedauer muss man online sein, und viele merken beim Quatschen nicht, wie die Zeit vergeht (das ist nicht anders als im "real life"). Es gibt nur wenige, die eine ganze Nacht lang im WWW surfen, aber viele, die eine ganze Nacht lang chatten. Viele der hochgradig Internet-Süchtigen treiben sich vor allem in den Chat-Bereichen herum.

Newsgroups (News)

Eine Newsgroup ist einem schwarzes Brett vergleichbar, wo Sie Nachrichten posten können, die alle Besucher lesen können. Jede Newsgroup behandelt einen Themenbereich. Mittlerweile sind mehr als 20.000 Newsgroups im Internet verfügbar. Es gibt praktisch nichts, zu dem es nicht eine Newsgroup gibt. Egal ob Sie sich für die Konfiguration Ihres PCs interessieren, für Origami oder für vermisste Kinder - für alles findet sich eine oder mehrere Newsgroups. Täglich werden zigtausend Nachrichten in Newsgroups gepostet. Es werden Fragen gestellt und Antworten gegeben, es wird debattiert und geflachst. Die Newsgroups gelten allgemein als der verrückteste Teil des Internet. Manchen Leuten sind sie aber auch ein Dorn im Auge, denn es gibt auch etliche Newsgroups mit pornographischen und extremistischen Inhalten.

Das System der Newsgroups ist auf verschiedene Netze verteilt. Das grösste und bekannteste ist das Usenet. Hier finden Sie Newsgroups mit Adressen wie alt.music.pinkfloyd oder de.soc.weltanschauung. Wichtigsten Abkürzungen in solchen Newsgroup-Adressen sind:

  • alt = alternativ, bunt, verrückt, abgefahren
  • biz = Kommerzielles, jedoch keine Werbung
  • comp = Computer
  • de = deutschsprachig
  • misc = Sonstiges
  • news = Newsgroups zum Thema Newsgroups
  • rec = Freizeit, Hobby und Kunst
  • sci = Wissenschaften
  • soc = Soziales, Kultur, Politik
  • talk = Klatsch und Tratsch

Um Newsgroups lesen und daran teilnehmen zu können, brauchen Sie ein Newsreader-Programm. Moderne WWW-Browser wie Netscape (ab V3.0) oder der MS Internet Explorer (ab V4.0) haben einen eingebauten News-Client, so dass Sie kein separates Programm mehr benötigen. Um Newsgroups empfangen zu können, müssen Sie in den Einstellungen des verwendeten Programms einen News-Server angeben.

Es empfiehlt sich, zunächst einmal alle verfügbaren Newsgroups einzulesen. Das kann eine Weile dauern, aber anschliessend haben Sie eine sortierte Liste aller Gruppen und können sich einen überblick verschaffen. Newsgroups, die Sie interessieren, können Sie abonnieren.

Nachrichten in Newsgroups sind hierarchisch organisieret. Irgendjemand postet eine Nachricht mit einem neuen Subject (Thema). Ein anderer antwortet auf die Nachricht und bezieht sich dadurch auf das gleiche Thema. Ein dritter antwortet ebenfalls, und ein vierter antwortet dem Dritten. Auf diese Weise entsteht eine Baumstruktur von Nachrichten zu einem einmal begonnenen Thema. Diese Baumstruktur wird auch als Thread bezeichnet. Sie können selbst einen neuen Thread beginnen oder auf eine Nachricht antworten und sich dadurch den betreffenden Thread einschalten.

World Wide Web (WWW)

Das World Wide Web (WWW) ist der jüngste Dienst innerhalb des Internet. Das Web zeichnet sich dadurch aus, dass es auch ungeübteren Anwendern erlaubt, sich im Informationsangebot zu bewegen. Wer etwa mit einem FTP-Programm einen FTP-Server aufruft, muss sich in komplexen, unbekannten Verzeichnisstrukturen zurechtfinden und sich an Dateinamen orientieren. Interessante Dateien kann er auf seinen Rechner downloaden, um sie später zu öffnen. Im WWW dagegen erscheinen Informationen gleich beim Aufruf am Bildschirm. Wenn Sie mit einem WWW-Browser im Web unterwegs sind, brauchen Sie sich nicht um Dateinamen oder um komplizierte Eingabebefehle zu kümmern. Das bequeme Navigieren mit Hilfe einfacher Mausklicks kann ein Hochgefühl erzeugen, weshalb sich auch die Redewendung vom "Surfen im Netz" eingebürgert hat.

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Entstehung des Word Wide Web

Die Anfänge

Photographie von Tim Berners-LeeDie Geschichte des World Wide Web ist - trotz ihres unfassbaren Erfolges - noch ziemlich jung. Sie begann um 1990 in Genf. Wikipedia/Tim Berners Lee), britischer Informatiker am Genfer Hochenergieforschungszentrum CERN, startete zusammen mit einigen Kollegen eine Initiative, um das Internet für einen neuartigen Informationsaustausch zwischen Wissenschaftlern zu nutzen. Es ging darum, wissenschaftliche Dokumente online sichtbar zu machen, wobei einfache Textformatierung und das Einbinden von Grafik möglich sein sollte. Ganz entscheidend war aber auch die Idee, Hypertextfunktionalität einzubauen, so dass Dokumente Verweise auf beliebige andere Dokumente enthalten können, auch, wenn diese auf ganz anderen Internet-Servern liegen.

Die beiden Säulen des Projekts sollten das neue Dateiformat HTML (Hypertext Markup Language) und das neue Internet-Protokoll HTTP (Hypertext Transfer Protocol) bilden. Neue Endanwender-Software sollte die Dateien online anzeigen und Verweise ausführen können. Wegen des Hypertext-Charakters wurde das ganze Projekt World Wide Web (weltweites Netz) getauft.

Gleichzeitig wurde bereits begonnen, WWW-Server einzurichten, die das neue HTTP-Protokoll unterstützten. Erste Client-Programme für Endanwender wurden entwickelt. Software-Entwickler wurden von der Idee des WWW angesteckt und entwickelten fieberhaft die ersten WWW-Browser.

Der Boom

Photographie von Marc AndreessenBesonders aktiv war ein junger Mann namens Marc Andreessen. Er entwickelte den ersten WWW-Browser für grafische Benutzeroberflächen, den Browser Mosaic. Die Programmierer von Mosaic erfanden auch neue Features, die sie in ihren WWW-Browser implementierten, ohne dass diese Features standardisiert waren. Doch andererseits wurde hauptsächlich dadurch jene Lawine ins Rollen gebracht, die wir heute erleben. Marc Andreessen, der den Boom frühzeitig witterte, stieg schliesslich aus dem Mosaic-Projekt aus und wurde Mitbegründer einer neuen Firma für WWW-Software: Netscape.

In der zweiten Jahreshälfte 1993 brachten einflussreiche Blätter wie die New York Times erste Artikel über das neue Fieber in der Internet-Gemeinde. Die Anzahl der Schaulustigen wuchs, ebenso wie die Anzahl von Server-Betreibern im Internet, die sich die frei verfügbare HTTP-Software installierten und damit WWW-fähig wurden. Hunderte, tausende Menschen mit Internet-Zugang und Zugang zu Servern begannen, HTML fürs WWW zu schreiben, Wissenschaftliches, aber auch Persönliches, Abstruses, Verrücktes.

Bill Gates, Chef von Microsoft, dem mächtigsten Software-Konzern der Welt, rümpfte zu diesem Zeitpunkt höchstens die Nase über die Entwicklungen im Internet, wenn er sie überhaupt zur Kenntnis nahm. Auch traditionelle Online-Dienstanbieter wie CompuServe oder die Telekom schotteten sich zunächst gegen das "Chaos Internet" ab. Die Lawine war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Sie wurde so mächtig, dass die anfänglichen Gegner später, als der Boom bereits in vollem Gange war und Anwender entsprechende Software und Internet-Zugänge verlangten, Hals über Kopf den Kurs wechselten und fieberhaft in das neue Medium investierten. Heute sind Online-Dienste in erster Linie Internet-Provider, und Microsoft beschäftigt Heerscharen von Entwicklern, die nichts anderes im Sinn haben als das Versäumte nachzuholen, um auch im Internet-Bereich zum Software-Anbieter mit dem grössten Umsatz zu werden.

Die Anzahl von Technologien und Software-Lösungen im WWW-Bereich ist heute kaum noch überschaubar. Doch je bunter und unübersichtlicher der Markt, desto wichtiger werden allgemein anerkannte und weitgehend eingehaltene Standards wie HTML und andere Sprachen, die vom W3-Konsortium normiert werden. Denn letztendlich sind die Daten das Entscheidende, nicht die Software. Immer mehr Endanwender und Entscheidungsträger beginnen das zu begreifen. Und dementsprechend wächst der Druck auf Software-Hersteller, sich an den Standards zu orientieren. Das gilt für einfache Dokumentformate wie HTML genau so wie etwa für Ansätze zu elektronischem Business.

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